AUSSTELLUNG

1854 – die Ausstellung

«Die Welt», sagt Lonzi, der Unteragent einer Auswandereragentur, im Stück «Amerika», «wird nicht besser, wenn es mir schlechter geht.» Doch wie genau sah denn diese Welt aus, von der Lonzi da spricht? Was trieb die Menschen weg aus ihrer Heimat? Wie muss man sich die wochenlange Überfahrt vorstellen, auf der die Passagiere der «Holzklasse» eng zusammengepfercht im schäbigen Mitteldeck der Dreimaster ausharren mussten? Was erwartete diese Menschen am Ziel der Reise, das viele gar nie erreichten? Erfüllten sich ihre Hoffnungen auf ein besseres Leben?

«Er soll in New York eine glänzende Zukunft vor sich haben, nämlich diejenige eines Stiefelwichsers.»
– Der Murianer Auswanderers Sebastian Burkard im «Freischütz» vom Februar 1866

Auf diese Fragen gibt die Ausstellung 1854 Antworten. Sie begleitet und bereichert «Amerika» und ermöglicht allen Interessierten, insbesondere auch Schulen, einen leicht verständlichen, informativen und emotionalen Zugang zum Thema Migration. Denn sie erzählt die Geschichte von Menschen auf der Flucht, die sich nicht irgendwo in der Welt abspielte, sondern vor der eigenen Haustür …

Während die Geschichten der Murianer Auswanderer im Theater zu einer fiktiven Handlung verwoben werden, zeigt die Ausstellung, was die Menschen dazu antrieb, die zwar arme, aber vergleichsweise sichere Heimat zu verlassen, um ihr Glück in einem Land zu versuchen, von dem sie nicht die geringste Ahnung hatten und dessen Sprache sie nicht verstanden.

Exakt im Jahr 1854 wanderten beispielsweise die Murianer Ortsbürger Stöckli aus: Jakob und Johann Stöckli, «Schwetters» oder «Schwetterlorenzen» genannt, verkauften den gemeinsam bewirtschafteten Hof in Birri, packten ihre Siebensachen und suchten das Weite. Am 26. März 1854 gingen sie in Le Havre an Bord des Dreimasters St. Petersburg nach New York, wo sie am 16. Mai nach einer traumatischen Reise landeten. Ein Teil ihrer Nachfahren lebt heute in Wisconsin …


«1854» thematisiert – informativ, kompakt und multimedial – die Freiämter Auswanderung Mitte des 19. Jahrhunderts. Und führt gewissermassen direkt nach «Amerika»: Wer das Freilichttheater besucht, gelangt nämlich durch die Ausstellung aufs Gelände – und ist schon mitten drin im Stück …

 

Die Ausstellung ist vom 24. Juli bis 18. September 2021 im Flur der Gemeinde Muri frei zugänglich.

Wir sind auch hier zuhause.